Dienstag, 17. Januar 2017

„Das haben wir immer so gemacht“ - Was löst dieser Satz in Ihnen aus?

Gestern diskutierte ich mit einem italienischen Kollegen über das Thema VERÄNDERUNG. Im Laufe der Diskussion schilderte er mir ziemlich erregt, dass er in italienischen Unternehmen, vor allem in kleineren und mittleren Unternehmen, immer wenn es um neue, alternative Vorgehensweisen geht, als Antwort zu hören bekommt „Abbiamo fatto sempre cosi“. „Das haben wir immer so gemacht“. 

Er war völlig genervt und der Meinung das ist typisch italienisch. Als ich in fragte, warum er sich da so sicher sei, meinte er, „die wollen sich einfach nicht ändern und einfach nur weitermachen wie bisher“. Ist das wirklich so, fragte ich ihn. „Was solle es denn sonst sein?“ Mit Sicherheit ist es kein rein italienisches, sondern einfach ein menschliches Problem. Oder haben Sie den Satz noch nie in Deutschland oder sonst wo auf der Welt gehört? Oder vielleicht sogar selbst einmal so oder so ähnlich ausgesprochen, beruflich oder vielleicht privat.

Wir haben gestern noch lange darüber diskutiert: wann und in welcher Form (Tonalität) dieser Satz ausgesprochen wird, wer ihn ausspricht und vor allem was dahinter steckt. Auch nach dem Gespräch ließ mich dieser Satz nicht los... 


Ich habe mich gefragt, warum derjenige, der „Das haben wir immer so gemacht“ ausspricht, immer gleich der „Buhmann“ ist. Müssten Unternehmer nicht glücklich sein, wenn Mitarbeiter festgelegte Abläufe verteidigen? Ich höre schon, wie viele jetzt antworten, doch darum geht es in diesem Moment nicht. Richtig! Meist geht es in einem solchen Moment darum, dass man sich von Dingen, die man vielleicht sogar jahrzehntelang gemacht hat, verabschieden muss und Neues eingeführt und umgesetzt werden muss. Hier stellt sich gleich die Frage: Ist das den Betroffenen entsprechend kommuniziert worden. Klar, lautet in den meisten Fällen die Antwort. Aber einfach nur zu sagen, meist in Form einer Anweisung, dass ab Tag x, die Dinge anders laufen ist kein probates Mittel, Veränderungen erfolgreich umzusetzen. 

Warum?
 

Erwarten wir nicht immer von unserem Mitarbeiter, dass sie sich im Sinne des Unternehmens verhalten und die Zusammenhänge begreifen. Wenn dem so ist, dann ist es doch wichtig, dass Mitarbeiter in die Lage versetzt werden, zu begreifen warum es jetzt „nicht mehr LINKS, sondern ab morgen RECHTS rumgeht“. 

Je gravierender dieser Schritt und negativer die bisherigen Erfahrungen in einem Unternehmen mit Veränderungen sind („mir sagt ja keiner was“; „wir sind nur die Deppen, die das umsetzen und ausbaden müssen“; „warum fragt man uns eigentlich nicht?“, etc.) desto reservierter das Verhalten der Mitarbeiter. Überrascht Sie das? 

Unternehmen wünschen sich engagierte, mitdenkende, im Idealfall sogar unternehmerisch handelende Mitarbeiter. Warum werden Sie dann immer noch nicht so eingebunden? Warum erfolgen Anweisungen top down? Angst vor der Diskussion? Vielleicht sogar davor, dass die Vorschläge der Mitarbeiter besser und anders ausfallen als die des Führungsteams?

Veränderungen lassen sich nicht umsetzen, indem man einfach mal einen Schalter umlegt und dann sind alle im neuen Modus. So läuft es nicht. Das wissen wir, aber dennoch ist die Erwartungshaltung in vielen Führungsteams genau so. Dabei wird vergessen, welche Erkenntnisse die Neurowissenschaften in den letzten Jahre geliefert haben. 


Bevor wir Neues anwenden, müssen wir Altes vergessen. Wie das geht zeigt ein Video, auf welches ich vor einigen Tagen durch Förster & Kreuz aufmerksam wurde: The Backwards brain bicycle.


Das Experiment im Video zeigt wie lange jemand braucht, um ein Fahrrad, das nur an einer einzigen Stelle verändert wurde, fahren zu können. Es gelingt, aber es braucht Zeit. Interessant ist auch welche Konsequenzen das Neuerlernte für den Probanden hat. Doch schauen Sie selbst. 8 Minuten, die nicht nur Spaß machen, sondern sich auch lohnen werden für anstehende Veränderungen in Ihrem Unternehmensalltag.



Sind es wirklich immer nur die Mitarbeiter, die „Das haben wir immer so gemacht“ sagen?

 
Nein! Wie oft schon haben Mitarbeiter diese Antwort „erlitten“ als sie ihrem Chef oder Führungsteam neue Vorschläge unterbreitet haben. Warum fiel die Antwort so aus?

War es nur der falsche Zeitpunkt, indem der Chef das Thema einfach abblocken wollte. Ist es die Angst vor einem Machtverlust? Vielleicht mangelnde Veränderungsbereitschaft? Oder gar fehlende Weitsicht? Oder war es einfach nur eine gute Idee, die nicht gut genug vorbereitet und präsentiert wurde? 


Denn weitsichtige Unternehmer folgen dem Wandel im Nutzungs- und Konsumverhalten ihrer Kunden. Im Idealfall nehmen sie diese Entwicklungen sogar schon voraus. Und genau vor diesem Hintergrund sind sie offen für Verbesserungsvorschläge, die das Unternehmen in die Lage versetzen, die Beziehungen zu den Kunden noch weiter zu intensivieren. Vorausgesetzt sie verstehen sich als Leader und nicht als Boss. Gibt es da einen Unterschied? Eine gute Zusammenfassung finden Sie in der nachfolgenden Grafik: 


www.presentaiongo.com

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Satz „Das haben wir immer so gemacht“ in Veränderungsprozessen gemacht? Wie haben Sie das Eis gebrochen? Wie haben Sie Mitarbeiter oder Führungskräfte mitgenommen? 

Ich freue mich auf Ihre Kommentare...

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